Michaels Seiten

Harsewinkel, 17. Juni 2007  

Hallo liebe E-Mobilisten, 

ich fahre schon seit vier Jahren einen City-el; mein damaliger Kaufvertrag datiert auf den 8. Juli 2003. Knapp 9.000,- € habe ich mir damals diesen elektromobilen Schritt (City-el, FactFour-Version, 95 Ah Vliesbatterien, HF-Lader, Radzierkappen) kosten lassen. Mittlerweile bin ich knapp 16.000 km damit gefahren; überwiegend zwischen Harsewinkel (meinem Wohnort) und Bielefeld (meinem Arbeitsort). Um die Kosten ein bisschen abzufedern, habe ich mir damals relativ fix einen Sponsor, die IKK, gesucht.

 Das City-el ist aber nur ein Puzzle von vielen in meiner energieoptimierten Lebensweise. So wohne ich z.B. in einem 3-Familien-Reihen-Passivhaus (seit 2000), fahre nebenbei noch einen Opel Zafira mit Gasantrieb (seit 2004), benutze u.a. einen wassergekühlten sehr sparsamen PC (seit 2001), erhitze einen Großteil meines warmen Wasser mit einer Kollektoranlage und produziere mit meinen sechs Fotovoltaikanlagen (drei eigene, drei Gemeinschaftsanlagen) ein vielfaches des Stromes, den ich mit meiner vierköpfigen Familie verbrauche. Über mein Engagement in der lokalen Agenda trage ich meine Leidenschaft darüber hinaus noch an andere Bürger weiter.

 Nicht unerwähnt bleiben sollte sicherlich, dass mein City-el mir nicht nur Freude bereitet hat. Waren es anfangs zu viel versprochene Reichweiten, so machte auch eine Batterie mal schlapp oder die Kette sprang mehrfach zu ungünstiger Zeit ab und hinterließ wütende Gefühle. Das dauernde achtgeben auf Kettenspannung/-schmierung und Luftdruck finde ich schon recht lästig.

Das City-el ist für mich ein reines sparsames und umweltbewusstes Nutz- und Transportfahrzeug. Ich habe kein Interesse, daran herumzubasteln oder mich über Gebühr mit seinen technischen Details zu befassen. Es muss einfach nur zuverlässig seine Aufgaben erledigen. Da es aktuell meines Wissens nach noch keine preislich interessante Alternative gibt, werde ich dem Gefährt die Treue halten.

 Liebe Grüße
Michael

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Harsewinkel, 17. Juni 2008

Seit meinem letzten Bericht sind schon wieder 12 Monate und 1.200 City-el-Kilometer vergangen.
Es wird also Zeit, mal wieder ein paar Zeilen zu schreiben und ein neues Foto zu ergänzen.

Vor kurzem habe ich den ersten Brief mit einer Zahlungsaufforderung vom Finanzamt hinsichtlich der Kfz-Steuern bekommen. Fünf Jahre war das kleine Schätzchen steuerbefreit. Ab jetzt sind ganze 11,- € jedes Jahr fällig. Ich musste angesichts dieses Betrages ein bisschen schmunzeln.

Dafür sind bald größere Ausgaben fällig: die Reifen sind laut letztem TÜV nur noch knapp durchgekommen, die beiden Ritzel der Kette haben auch schon arg gelitten und müssen über kurz oder lang gewechselt werden, die Kette selber ist auf (ich habe vor kurzem bereits ein Kettenglied heraus nehmen müssen) und sobald die Lösung von Axel hinsichtlich des Stand-by-Verbrauchs vorhanden ist, würde ich auch diesen Punkt endlich bereinigen. Ich hoffe, dass meine Batterien noch einige Zeit halten, so dass ich in Ruhe abwarten kann, was einige Freunde aus dem Umfeld für Erfahrungen mit ihren Lions machen – die Langlebigkeit von Lions ist ja scheinbar noch mit sehr vielen Fragenzeichen behaftet!

Parallel zu obigen Reparatur- bzw. Wartungsüberlegungen habe ich in den letzten Wochen aber auch schon mal über einen Verkauf meines City-els nachgedacht. Nein, nein, nicht etwa, weil ich die E-Mobil-Szene verlassen möchte, sondern vielmehr um finanziell noch tiefer einzusteigen. Das Twike ist ja so ein kleiner Traum von mir, den ich mir halt aufgrund der großen Anschaffungskosten noch nicht erfüllt habe. An den Kosten für ein Twike wird sich leider wohl kurzfristig (die nächsten 2 Jahre) nichts ändern, obwohl ich Gerüchte über eine nicht mehr allzu ferne Serienfertigung gehört habe. Aber sobald ich mein City-el für einen guten Preis los werden könnte und einen zahlungswilligen Sponsor finde, wäre das Twike finanziell durchaus eine Überlegung wert. Das Twike würde meine sich langsam ändernden Mobilitätsanforderungen auch besser erfüllen, da ich zum einen (wichtigster Punkt!) mit zwei Erwachsenen fahren könnte, in größere Geschwindigkeitsbereiche vorstoßen würde, ein besseres Sichtfeld hätte, die blöde Kette los wäre und einfach einen angenehmeren Fahrkomfort ausleben könnte.

Ich bin sehr gespannt, wie sich der Hersteller des Twikes auf die zukünftigen Herausforderungen vorbereiten wird, denn überall auf der Welt wird fleißig entwickelt und getüftelt (zuletzt konnte ich mir am 12.6.08 auf einer Veranstaltung der IHK in Bielefeld mit dem Thema „Mobilität der Zukunft“ ein Bild davon machen). Sobald irgendeiner mit dem richtigen (kopierbaren) Geschäftsmodell auf den Markt kommt, wird sich die elektrische Mobilität rasant entwickeln/verbreiten und ohne interessante (Preis-) Konzepte würden solche Entwicklungen wie das Twike schnell den Anschluss verlieren. Das Twike ist ohne Frage eine sehr interessante und vor allem sparsame Leichtelektromobilkonstruktion, aber das Gros des mobilen deutschen Volkes kann man damit vermutlich nicht locken. Die Leute wollen Platz, Power und Protz und da sind eher so Konstruktionen wie der „Lightning GT“ oder ähnliche dem „normalen“ Automobil nachempfundene Autos gefragt. Für mich dagegen ist ein „Leichtmobil“ vollkommen i.O., wenn es denn raffiniert konstruiert ist, sportlich daher kommt und im Alltag wartungsarm seinen Mann steht.

Für die nächste Zeit stehen bei mir noch zwei Punkte auf dem Plan:
Zum einen möchte ich mich gerne in das neue Drehstromtankstellennetz einklinken, um den Ort Harsewinkel für die E-Mobilszene interessanter zu machen und selber auf diese Infrastruktur zugreifen zu können.
Und zum anderen möchte ich die Idee von Tomi Engel hier im Stadtrat anregen, E-Mobilen das kostenlose bzw. parkscheibenfreie parken zu ermöglichen, um über den „Neid“ der anderen ein bisschen für das E-Mobil zu werben.

Sonnige Grüße
HöMi