Meine City-El Geschichte, Teil 15

Umbau auf NiCads
Saft 5-100 MRE
 

Mitte September 2006
war es dann so weit, trotz mehrerer Anrufe bei CityCom und der Zusage, dass sich Herr Nestemeier bei mir melden würde, kam keine Reaktion auf den Hinweis, dass meine im Februar gelieferten Akkus schon wieder am Ende seien.
Ich hatte nun nur noch 14 km Reichweite und die letzten 2 km fuhr ich mit Spannungsbegrenzung. Das war zu wenig um täglich zur Arbeit zu kommen An das Zwischenladen auf der Arbeit hatte ich mich schon seit Mai gewöhnt.
Die Akkus ließen aber auch nur noch 1,5 kwh (ab Steckdose) einladen.

Ich hatte die Nase endgültig voll von Blei-Akkus und auch die besseren Traktionsbatterien von Axel wollte ich erst gar nicht versuchen. Ich stellte mein El bei Axel ab und wollte erst wieder mit NiCads fahren

Nägel mit Köpfen hieß die Devise.

Stundenlang telefonierte ich mit Frankreich, ließ Beziehungen spielen und kam endlich an eine Telefonnummer eines Mitarbeiters bei Saft, der in Bordeaux Mitglied eines Elektrofahrzeugclubs (ohne WEB-Seite) ist.  Er gab mir eine weitere Telefonnummer und nach einigen Anrufen bekam ich den Chef eines Batterieladens an die Leitung.
Ja, er würde Saft-Akkus verkaufen, 600 Euro das Stück (neu). Er habe aber auch noch einige wenige Gebrauchte,  Produktion 2005.
Der Preis variiere je nach Angebot und Nachfrage.
Sofort bestellt ich 8 für mich und 7 für einen weiteren Bekannten. Wir einigten uns auf einen für mich akzeptablen Preis und ich terminierte die Abholung der 15 Akkus auf den 6.Oktober 2006 direkt ab Bordeaux.
Anlässlich eines Besuches bei Bekannten in Bordeaux während der Herbstferien (natürlich rund um die Abholung der Akkus geplant ;-) fand ich mich dann mittags dort ein und etwa 5 Stunden später hatte ich die Ware im Kofferraum und war um einige 1000 Euros in Bar leichter.

Aus dem Urlaub zurückgekommen fuhr ich gleich am nächsten Werktag mit den Akkus zu Axel und während der nächsten 14 Tage schenkte er mir immer wieder ein bisschen seiner knappen Zeit, um mir beim Umbau des City-Els auf 48V Saft-Batterien zu helfen.
Auch meine Liebe Frau war geduldig mit mir, denn während dieser Zeit verließ ich um 06.30 Uhr das Haus und kehrte erst gegen 21.00 Uhr (nach der Arbeit und ca. 5 Stunden bei Axel)  wieder zurück.

Folgendes wurde umgebaut:

  • Curtis und DC-DC-Wandler auf 48 Volt bei John (GK-Anlagentechnik)
  • Batteriekorb angepaßt für 4 NiCads
    • die senkrechten Stabilisierungsbleche entfernt
    •  die hinteren Falze der Winkelbleche flach geschlagen
    • mit verzinktem Blech ausgelegt und angeschweißt.
    • Wechsel eingesetzt um die Stabilisierung wieder herzustellen
    • mit Menninge gestrichen
  • Kabelsatz des Original-Trafoladers entfernt
  • Strombegrenzerplatine ausgebaut
  • Original-Kabel der Motor und Batterieanschlüsse gegen passende 35 mm²-Kabel ersetzt
  • Kofferraum für die restlichen 4 Akkus "eingeebnet"


Stabilisierungsbleche entfernt und Korb mit Blechen ausgelegt


Seitliche Bleche gekanntet


Wechsel eingebaut, oben verschraubt unten an die Reste der Stabilisierungsbleche geschweißt


Korb mit Mennige gestrichen
Batterien provisorisch eingebaut und zum Laden angeschlossen


Anschlüsse der hinteren Batterien


Motor eingebaut und alles verkabelt

Dann passierte es

Beim Kontrollieren und Anziehen der letzten Schraube (Hauptplus am Curtis) rutschte ich mit dem 13-er Schlüssel ab und berührte den darunter liegenden Shunt (Minus). Es flossen 160A (Sicherung) bei 55V= 9kw durch die Spitze des Ringschlüssels. Der Lichtbogen machte uns für  die nächste halbe Stunde arbeitsunfähig und der Schlüssel war an der Mutter und die Mutter an der Schraube fest geschweißt.
Nicht nötig, meinen Gefühlszustand zu schildern. Ich hätte heulen können, aber laut.
Fest gingen wir davon aus, dass der Curtis nicht mehr funktioniert und ohne lange zu überlegen baute ich ihn in einer Stunde Arbeit wieder aus, packte ihn noch schnell in ein Paket, schrieb die Adresse drauf und schickt ihn am nächsten Morgen zu John.

 
Alles ließen wir so stehen und so liegen, da meine Frau und ich am darauf folgenden Tag mit Nachbarn an die Mosel wollten und noch nicht mal der Wohnwagen gepackt war. Auf der Fahrt über die A1 las ich dann "Ausfahrt Mechernich". Das hatte ich doch gestern geschrieben. John wohnt da. An der Mosel angekommen rief ich bei ihm an und er sagte mir zu, dass ich auf dem Rückweg am Sonntag einen Curtis bei ihm abholen könne. Das Wochenende an der Mosel bei einigermaßen Wetter und gutem Wein ließ die Stimmung wieder steigen.
Auf dem Rückweg bei John übergab er mir den defekt geglaubten Curtis mit der Bemerkung, dass der in Ordnung sei. Der Fehler müsse woanders liegen.
 
Montag, den 30. Oktober 2006, 
war ich natürlich wieder bei Axel, baute in aller Ruhe und mit Edelstahlschrauben den Curtis ein und dann mit Axel die Verkabelung. Alles angeschlossen, alle Schrauben fest ? Ja!  Zündung an, Gaspedal gedrückt und .....  kein Schütz zieht an.
Axel nimmt sein Messgerät, den Schaltplan, das Telefon (Ratsuche bei John). ....
Endlich, nach etwa 30 Minuten. Das rot-gelbe Kabel vom Gaspedal endet unter dem Sitz in einem toten Anschluss und wird nicht zum Curtis weitergeführt. Schnell wirft Axel noch einen Blick auf den Schaltplan und schon weiß er wo es hingehört. Diesmal bewirkt das Drücken des Pedals das erlösende Klacken und Motor und Räder drehen.
Axel lacht ...  Fehler gefunden
 
Plötzlich springt er auf, ruft: "Ich hab's", rennt an seinen Schreibtisch, der Lötkolben wird nicht schnell genug heiß. Er nimmt eine Platine, entlötet, kramt in Kisten mit elektronischen Bauteilen, lötet, wirft sich wieder vor das El, schneidet Kabel ab, lötet wieder und sagt:
"Das war's. Dein Strombegrenzer mit Dampfrad ist fertig".
Schnell stellt er noch den provisorischen Poti auf 160A ein und ich kann nach 8 Wochen wieder mit dem City-El nach Hause fahren.
 
Für das Laden der NiCads habe ich eine Exel-Tabelle gemacht, nach der Anleitung von Saft, aus der die jeweiligen Spannungen in Abhängigkeit zur Temperatur dargestellt ist. Die Tabelle findet ihr hier zum Download.
Hinweis:
Im technischen Manual von Saft ist unter "5. Operation" unter „Overcharge Coefficient angegebenen ein Faktor von 1,15..
Mündlich wurde ich auf eine Overcharge-Spannung von 1,8V pro Zelle = 9V pro Batterie hingewiesen. Würde man in meiner Tabelle den Overcharge Coefficient auf Faktor 1,1 festlegen, käme das diesem Wert gleich.
Dafür habe ich die Tabellen überarbeitet und die findet ihr hier
 
 
Zu erwähnen ist noch, dass wir so nebenbei Axels Erfindung eines schallgedämpften Kettenrades eingebaut und einen geschlossenen Kettenkasten aus 5mm Kunststoffplatte geschweißt und einen von außen einstellbaren  Kettenspanner konstruiert haben.
Mein El ist jetzt wirklich viel leiser.
 
 
 
Meinen Dank möchte ich aussprechen
  • an Axel, der trotz Druck in seiner Firma immer noch Zeit gefunden hat, mir zu helfen.
    Ohne ihn wäre ich nicht in der Lage gewesen, den Umbau so perfekt zu realisieren.
  • an seine Sabrina, die meinetwegen auf einige Stunden seiner Anwesenheit verzichten musste
  • an Axels Eltern, die mich öfter mit Essen versorgt haben
  • An Gero Kleinertz für seinen schnelle Umbauten/Prüfung des Curtis
  • An meine Liebe Frau, die mir keine Vorhaltungen gemacht hat wegen der 14-tägigen
    Vernachlässigung der Familie und uns am 1. November ein hervorragendes Essen gezaubert hat,
    zu dem Sabrina, Axel und seine Eltern eingeladen waren.

Freitag, 03.11.2006

Ich war nun schon seit 4 Tagen mit dem El unterwegs, allerdings mit einem etwas schlechten Gewissen, da ich noch kein Wasser auf die Akkus gefüllt hatte. An diesem Abend kam mein Nachbar (arbeitet im Gabelstaplerbereich) und hat mir noch einige Schläuche und das Nachfüllsystem für Batterien gebracht.

Bei Saft Deutschland hatte ich nachmittags angerufen:
Ich soll diese Akkus erst einmal initiieren in dem ich
5 Stunden mit 20A konstant bis auf 9V/Batterie lade, danach 30 bis 60 Min warten und dann mit destilliertem Wasser auffüllen.
Genau so habe ich es gemacht und dabei die Akkus immer wieder gemessen. Die Zeit habe ich damit ausgefüllt, um das Wassernachfüllsystem zu installieren und den Kühlkreislauf einzurichten.
Nach 5 Stunden waren die Akkus ca. 0,4V auseinander regelten sich dann aber zum Ladeende schön gleichmäßig auf 8,9V/Batterie. Da blieben sie dann und ich schaltete ab. Die Akkus waren gerade handwarm geworden. 45 Minuten später (Mitternacht), ließ ich dann das Wasser einlaufen ...  4 Liter !!!

das Wasserfüllsystem mit Faltkanister, Hahn, Durchlaufindikator automatischer Verschluss
Das Schlauchende nach der letzten Batterie muss offen bleiben und endet unter dem Batteriekasten

Samstag, 04.11.2006

Ich fuhr erst mal einen "Reichweitentest", die erste Hälfte mit bis zu 72 km/h bei offenem Compoundfeld und bis 160A, die zweite Hälfte mit voller Bestromung auf dem Compoundfeld, 60km/h maximal. Mit  32V Spannung kam ich nach Hause. Dabei nimmt die Spannung die letzten 4 km enorm schnell ab. (Ich hab aber noch nicht schieben müssen ;-).) Insgesamt 60 km. Allerdings stellte ich bei der Kontrolle des Reifendrucks fest, dass dieser nur 2 Atü hatte. Fehlt also noch die Aussagekraft. Entspricht vielleicht den Winterreifen, die bald draufkommen.
Zu Hause angekommen (ich hatte unterwegs Kühlerflüssigkeit für Alukühler besorgt)  machte ich mich an den Bau der Umwälzung der Kühlflüssigkeit. Zur Zeit braucht man ja nicht zu kühlen, aber so kann man die Temperaturunterschiede zwischen den Batterien ausgleichen.
Von Axel bekam ich einen 1,5 l Plastikkanister. Ich baute eine Campingtauchpumpe ein, führte die Schläuche stramm durch den Deckel, füllte den Becher und ließ die Pumpe (Schalter von meiner ehemaligen Batterieheizung im Armaturenbrett) laufen. Nachdem ich zwei mal nachgefüllt hatte, konnte ich den Deckel schließen. Der Kreislauf lief blasenfrei.
Mittlerweile habe ich auch ein Heizelement an den Behälter geklebt, ein Thermostat angebracht und kann nun den Wasserkreislauf heizen.

Ziel ist es, dass der Wasserkreislauf bei unter 10° selbständig anspringt und heizt, ich aber auch unabhängig davon beim Laden oder im Sommer die Umwälzung zum egalisieren bzw. Kühlen betätigen kann.


das fertige Wasserfüll- und Kühlsystem, hinten mittig der Becher mit der Pumpe


Batterie-/Motorraum mit Originalabdeckung geschlossen


Ladegerät hinter dem Sitz, Batterien abgedeckt

Der Einbau des 4er-Satzes im Kofferraum ist provisorisch. Ich habe bei diesen Herbststürmen festgestellt, dass aufgrund der Hecklastigkeit das El sehr windempfindlich ist. Außerdem bricht es auf nasser Straße gern hinten aus. Ich fand einen Karton, der genau die Größe der 4 Batterien (25cm x 50cm) hat und ihn mal provisorisch reingestellt. Wenn man ihn ein wenig nach links versetzt, hat man genügend Platz zum Bremsen und auch für den ruhenden Fuß bleibt noch Platz übrig. Den zu installierenden Batterie-Kasten werde ich versenken müssen. Er wird dann 4cm nach unten rausgucken, 4 cm befinden sich im Boden, bleiben22cm die nach oben ragen.
Schon wieder ein neues Projekt .......

Reichweiten-/Verbrauchstest
(nicht mit Bleibatterien durchführen)

Reichweite in km/h

Fahrweise

Ladestrom

Ladezeit kwh ab Steckdose kwh/100km Kosten/100km

67 km

Kompoundfeld offen
bis 70 km/h

45A 2,5h 5,5kwh 8,02 1,36€
65 km " 45A 2,6h 5,4kwh 8,3 1,41€